Goldhofer Innovation Days 2026: Zwölf Jahre Warten, zwei Tage voller Premieren

Goldhofer >> Mehr als 600 Kunden aus aller Welt erlebten am Stammsitz in Memmingen, wie Goldhofer mit neuen Schwerlastmodulen, elektrischen Antriebslösungen und intelligenten Fahrzeugkonzepten die Zukunft des Schwertransports gestaltet. Zwölf Jahre nach der letzten Auflage kehrten die Innovation Days am 10. und 11. September 2026 nach Memmingen zurück. Mehr als 600 internationale Kunden folgten der Einladung von Goldhofer, um neue Technologien, Fahrzeugkonzepte und Entwicklungen aus den Geschäftsbereichen Transport und Airport Technology kennenzulernen. Im Mittelpunkt standen zahlreiche Produktpremieren, technische Vorführungen und der persönliche Austausch zwischen Anwendern und Entwicklern.

Neue Maßstäbe im Schwertransport

Eine der bedeutendsten Neuheiten war das Schwerlastmodul PST/SL-ES (285). Seine Besonderheit liegt in der variablen Spurbreite, die sich auch unter Last verändern lässt. Damit können Transporteure je nach Streckenverlauf zwischen hoher Seitenstabilität und verbesserter Manövrierbarkeit wechseln.


Bereits bei einer Grundbreite von drei Metern bietet das Modul eine hohe Seitenstabilität. Durch die Verbreiterung auf 3,30 Meter erreicht es annähernd die Stabilität einer 5,30 Meter breiten Parallelkombination. Gerade bei engen Ortsdurchfahrten, schwierigen Kurven oder begrenzten Platzverhältnissen eröffnet dies neue Möglichkeiten.


Mit einer Achslast von 48,4 Tonnen und einer Zugkraft von 162 kN zählt das PST/SL-ES (285) zu den leistungsfähigsten Schwerlastmodulen seiner Klasse. Das verstärkte Biegemoment ermöglicht zudem Transporte in einfacher Breite, für die bislang Parallelkombinationen erforderlich waren. Weniger Achslinien, kompaktere Fahrzeugkonfigurationen und geringere Eingriffe in die Infrastruktur können die Wirtschaftlichkeit komplexer Transporte erheblich verbessern.



Welche Vorteile daraus entstehen, demonstrierte Goldhofer anhand der fünften Generation seiner Flügeltransportvorrichtung FTV 1150. Moderne Windkraftflügel erreichen Lastmomente von bis zu 1.000 Metertonnen. Die Kombination mit dem neuen Schwerlastmodul ermöglicht kürzere Fahrzeugverbände und reduziert den erforderlichen Ballast.

Elektrisch durch die Großstadt

Mit dem E-PowerPack zeigte Goldhofer eine weitere Entwicklung, deren Praxistauglichkeit bereits unter Beweis gestellt wurde. Das erstmals auf der bauma 2025 präsentierte System bietet rund 260 kW beziehungsweise 340 PS elektrische Leistung und ermöglicht lokal emissionsfreie Schwertransporte.


Die Technologie richtet sich insbesondere an Einsätze in Innenstädten, Industrieanlagen und anderen sensiblen Umgebungen, in denen Lärm und Emissionen zunehmend entscheidende Faktoren darstellen. Ein aktives Thermomanagement und die Integration in das Goldhofer-Telemetriesystem Link ergänzen das Antriebskonzept.


Wie sich die Technologie im Alltag bewährt, zeigte ein Einsatz der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft BEHALA. Ende Juli wurde eine rund 430 Tonnen schwere Gasturbine durch Berlin transportiert. Dank des E-PowerPacks konnte der Schwertransport deutlich leiser und lokal emissionsfrei durchgeführt werden.


Für Goldhofer steht dabei nicht die vollständige Ablösung konventioneller Antriebe im Vordergrund. Vielmehr soll die elektrische Lösung dort eingesetzt werden, wo sie konkrete technische, ökologische und wirtschaftliche Vorteile bietet.

Ein Blick in die Entwicklungsabteilung

Neben den Fahrzeugpremieren gewährte das Innovation Lab Einblicke in die Entwicklungsarbeit des Unternehmens. Besucher konnten nachvollziehen, wie aus ersten Ideen marktreife Technologien entstehen. Vorgestellt wurden unter anderem digitale Zwillinge, neue Plattformarchitekturen, Simulationswerkzeuge und Lösungen zur Vernetzung von Fahrzeugen und Systemen. Die Bandbreite reichte von frühen Konzeptstudien bis zu Entwicklungen, die bereits kurz vor der Markteinführung stehen.


Damit verdeutlichte Goldhofer, dass Innovation nicht ausschließlich in neuen Fahrzeugen besteht. Auch digitale Prozesse, intelligente Datennutzung und die kontinuierliche Weiterentwicklung bestehender Systeme gewinnen im Schwertransport zunehmend an Bedeutung.


Bewährte Baureihen weiterentwickelt

Neben den großen Premieren präsentierte Goldhofer zahlreiche Erweiterungen seines bestehenden Portfolios. Die modular aufgebaute FT Series erhielt zusätzliche Konfigurationsmöglichkeiten, darunter Sonderfahrwerke mit Baggerstielmulde, flexible Einachsfahrwerke und neue Split-Fahrwerke. Unterschiedliche Rahmenbreiten, Achszahlen und Ausstattungsvarianten ermöglichen eine noch gezieltere Anpassung an individuelle Transportaufgaben.


Mit dem Stepstar MPA erweitert Goldhofer zudem seine Starline-Baureihe um eine Variante mit Einzelradaufhängung. Dank der unternehmenseigenen CargoPlus-Bereifung erreicht das Fahrzeug eine besonders niedrige Fahrhöhe von 790 Millimetern. Bis zu zwölf Tonnen Achslast und ein Lenkeinschlag von ± 60 Grad sorgen für hohe Nutzlast und Wendigkeit. Gerade beim Transport hoher oder voluminöser Güter ergeben sich daraus Vorteile hinsichtlich Streckenplanung, Genehmigungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Auch die internationale Ausrichtung spielte eine wichtige Rolle. Mit einem neuen THP/SL aus indischer Produktion, der eine Achslast von 45 Tonnen bietet, stärkt Goldhofer seine Präsenz auf dem asiatischen Markt. Das Fahrzeug ist gezielt auf die dortigen infrastrukturellen und wirtschaftlichen Anforderungen zugeschnitten.


Zu den weiteren Höhepunkten gehörten die Weltpremiere des Atlas 3 sowie die Weiterentwicklung der Atlas-Familie und des PST/ES-E (315).

Mehr als eine Produktschau

Neben technischen Präsentationen und Live-Demonstrationen prägte vor allem der persönliche Austausch die beiden Veranstaltungstage. Kunden, Entwickler und Vertriebsexperten diskutierten über aktuelle Herausforderungen und künftige Anforderungen im Schwertransport.

Eine große Highlight-Show und ein umfangreiches Abendprogramm rundeten die Veranstaltung ab. Für Goldhofer war die Neuauflage nach zwölf Jahren zugleich eine Gelegenheit, die enge Zusammenarbeit mit seinen internationalen Kunden zu unterstreichen.


Die Innovation Days 2026 machten deutlich, wohin sich die Branche entwickelt: leistungsfähigere und flexiblere Transportlösungen, zunehmende Elektrifizierung sowie die intelligente Vernetzung von Fahrzeugen und Prozessen. Goldhofer zeigte in Memmingen, dass viele dieser Entwicklungen längst nicht mehr nur Zukunftsvisionen sind, sondern bereits heute konkrete Einsatzmöglichkeiten eröffnen.


© Bilder: Goldhofer & Gernot Prange

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